In der weltweiten Biathlon-Elite, die von Norwegen dominiert wird, leuchten Sterne am Firmament. Namen wie Johannes Thingnes Bø oder die legendäre Tiril Eckhoff sind globale Marken. Doch in diesem Galaxy aus Talent und Willenskraft hat sich eine Athletin ihren Platz erkämpft, nicht durch laute Auftritte, sondern durch beständige Klasse, eiserne Disziplin und eine bewegende persönliche Geschichte: Ingrid Landmark Tandrevold. Ihre Karriere ist eine Achterbahnfahrt aus medaillenüberschütteten Höhenflügen, öffentlich durchlittenen gesundheitlichen Tiefschlägen und einer psychologischen Stärke, die sie zu einer der faszinierendsten Sportlerinnen der Gegenwart macht.
Die Anfänge: Talent und früher Erfolg
Ingrid Landmark Tandrevold, geboren am 23. September 1996 in Bærum, fand früh den Weg zum Biathlon. Ihr Talent war offensichtlich und wurde in den Nachwuchskadern Norwegens, der Hochschule des Skisports, sorgfältig geschliffen. Der erste große Paukenschlag auf der internationalen Bühne folgte bei den Junioren-Weltmeisterschaften 2016 in Cheile Grădiştei, wo sie drei Goldmedaillen gewann – ein unübersehbares Signal. Ihr Weltcup-Debüt gab sie nur kurze Zeit später, und die Fachwelt war sich einig: Hier kommt eine neue Kraft.
Der Durchbruch und der Schatten der Gesundheit
Ihr eigentlicher Durchbruch in die absolute Weltspitze gelang Tandrevold in der Saison 2018/19. Mit konstant starken Leistungen, vor allem in der Disziplin, die zur Visitenkarte werden sollte – dem Einzelrennen – etablierte sie sich im norwegischen Team. Doch parallel zu den sportlichen Erfolgen trat ein unsichtbarer Gegner in den Vordergrund: Ihr Herz.
Erste öffentlich bekannte Probleme traten beim Weltcup in Oberhof im Januar 2020 zutage. Nach einem anstrengenden Verfolgungsrennen brach Tandrevold kurz vor der Ziellinie zusammen. Es war ein schockierender Moment, der eine bereits länger bekannte, aber nicht öffentliche Thematik ans Licht brachte: Tandrevold leidet unter einer Herzrhythmusstörung, genauer gesagt einer ventrikulären Tachykardie. Dies bedeutet, dass ihr Herz in Belastungssituationen gefährlich schnell und unregelmäßig schlagen kann.
Was folgte, war nicht nur eine medizinische Behandlung, sondern auch ein psychologischer Kraftakt. Die Angst vor einem erneuten Zwischenfall, das öffentliche Interesse an ihrer Gesundheit und der Druck, trotzdem Leistung zu bringen, lasteten schwer auf ihr. Sie sprach offen über ihre mentalen Kämpfe, über die Herausforderung, sich nach solchen Vorfällen wieder auf die Loipe und den Schießstand zu trauen. Diese Offenheit machte sie zu einer wichtigen Botschafterin für psychische Gesundheit im Spitzensport.
Die Herz-OP und die Rückkehr in den Ring
Nach weiteren, weniger schwerwiegenden Vorfällen fiel die medizinische Entscheidung: Eine ablativer Eingriff (Katheterablation) war notwendig. Dieser minimalinvasive Eingriff zielt darauf ab, die fehlerhaften Leitungsbahnen im Herzen, die die Rhythmusstörungen auslösen, zu veröden.
Die Saison 2020/21 stand somit im Zeichen dieser Operation und der Rückkehr. Die Welt sah eine veränderte Tandrevold. Nicht nur körperlich gesünder, sondern auch mit einer neuen mentalen Reife und einer fast philosophischen Gelassenheit. Sie gewann ihre ersten Weltcup-Rennen, darunter einen souveränen Sieg im Einzel in Antholz, und krönte die Saison mit der Silbermedaille im Massenstart bei den Weltmeisterschaften in Pokljuka. Es war der Beweis: Sie konnte mit der absoluten Weltelite mithalten, selbst mit dieser Belastung im Gepäck.
Die Visitenkarte: Stärke im Einzel und mentale Robustheit
Tandrevolds Stärke liegt in ihrer technischen Sauberkeit und ihrer Nervenstärke. Das Einzelrennen, bei dem jede Fehlschuss-Minute zählt, ist ihre Paradedisziplin. Ihr ruhiger, konzentrierter Schießstil und eine effiziente Lauftechnik machen sie zur perfekten Einzel-Läuferin. Doch ihr größter Sieg ist vielleicht ein unsichtbarer: der über ihre eigenen Ängste. Jeder Start, jedes Rennen ist auch ein Sieg über den inneren Zweifel. Sie hat gelernt, mit ihrem Körper und seiner Besonderheit zu arbeiten, nicht dagegen anzukämpfen.
Das Team: Eckhoff, Knotten und die norwegische Macht
Ein wichtiger Faktor in Tandrevolds Karriere ist ihr Platz im norwegischen „Dream Team“. Besonders ihre Freundschaft und sportliche Partnerschaft mit Tiril Eckhoff fiel oft auf. Die beiden bildeten über Jahre eine der stärksten Staffeln der Welt. Ihre dynamische und herzliche Art miteinander, die sich in emotionalen Zielfotos und Interviews zeigte, führte zu Spekulationen. Doch beide Athletinnen haben stets klargestellt, dass es sich um eine tiefe, platonische Freundschaft und eine respektvolle Teamkollegenschaft handelt.
Nach Eckhoffs Karriereende ist die neue Konstellation mit Juni Arnekleiv und Karoline Offigstad Knotten entstanden, mit der sie erneut eine phänomenale Staffel bildet. Tandrevold ist dabei die erfahrene, ruhige Konstante – eine Führungsfigur, auf die sich die Jüngeren verlassen können.
Die Zukunft: Eine Reife Championin
Heute ist Ingrid Landmark Tandrevold eine ausgereifte, komplette Biathletin. Sie hat mehrere Weltcup-Gesamtsiege in der Disziplinenwertung (Einzel, Verfolgung) vorzuweisen, ist mehrfache WM-Medaillengewinnerin und ein fester Bestandteil des norwegischen Erfolgsmodells. Ihr Weg war keineswegs linear. Er war gepflastert mit goldnen Medaillen und medizinischen Berichten, mit Jubel und Angst.
Doch genau das macht ihre Geschichte so wertvoll und inspirierend. Sie steht für mehr als nur Sport. Sie steht für die Überwindung von Hindernissen, für die Integration einer chronischen Erkrankung in ein Höchstleistungsleben und für die Wichtigkeit, über psychische Herausforderungen zu sprechen. Ingrid Landmark Tandrevold ist nicht nur eine Biathletin. Sie ist eine Symbolfigur für Resilienz. Und während sie weiter über die Loipen gleitet, trifft sie nicht nur Scheiben, sondern auch die Herzen der Fans – mit einem eigenen Herzen, das, trotz aller Widrigkeiten, für den Sport schlägt, den sie liebt.
FAQs zu Ingrid Landmark Tandrevold
Ist Ingrid Landmark Tandrevold verheiratet?
Nein, Ingrid Landmark Tandrevold ist nicht verheiratet. Sie führt ihr Privatleben weitgehend aus der öffentlichen Wahrnehmung heraus. Bekannt ist, dass sie in einer festen Beziehung mit dem norwegischen Skilangläufer Simen Hegstad Krüger ist, einem ebenfalls sehr erfolgreichen Skilangläufer und Olympiasieger.
Sind Tandrevold und Eckhoff ein Paar?
Nein, Tandrevold und Tiril Eckhoff waren und sind kein romantisches Paar. Die Spekulationen entstanden aufgrund ihrer sehr engen, herzlichen und oft emotional gezeigten Freundschaft sowie ihrer erfolgreichen Zusammenarbeit in Staffelrennen. Beide haben jedoch mehrfach betont, dass sie eine tiefe platonische Freundschaft verbindet. Sie waren und sind enge Teamkolleginnen und gute Freundinnen.
Was ist mit Ingrid Landmark Tandrevold passiert?
Diese Frage bezieht sich meist auf die gesundheitlichen Vorfälle, die sie öffentlich bekannt machten. Ingrid Tandrevold leidet unter einer Herzrhythmusstörung (ventrikuläre Tachykardie). Der bekannteste Vorfall ereignete sich im Januar 2020 in Oberhof, als sie nach einem anstrengenden Rennen kurz vor dem Ziel zusammenbrach. Weitere kleinere Vorfälle folgten. Diese Ereignisse zwangen sie, ihre Belastung zu managen, sich einer Operation zu unterziehen und einen langen mentalen wie körperlichen Weg zurück in die Weltspitze zu finden.
Welche Herz-OP hatte Ingrid Landmark Tandrevold?
Ingrid Landmark Tandrevold unterzog sich einer Katheterablation (auch ablative Prozedur genannt). Dabei handelt es sich um einen minimalinvasiven Eingriff, bei dem über einen in die Leistengefäße eingeführten Katheter fehlerhafte Leitungsbahnen im Herzmuskel aufgespürt und verödet (abladiert) werden, die die gefährlichen schnellen Herzrhythmusstörungen auslösen. Ziel ist es, den normalen Sinusrhythmus des Herzens dauerhaft wiederherzustellen. Diese Operation war ein entscheidender Schritt für ihre weitere Karriere.








